Chronik "So fast as Düörp'm"

Es ist schon ein schwieriges Unterfangen, die Chronik eines Vereins zu schreiben, der 1911 gegründet wurde und dessen Aufzeichnungen in den Wirren zweier Weltkriege nahezu vollständig verloren gegangen sind.

 

Trotzdem möchten wir dem geneigten Betrachter dieser Internetseiten etwas zu den Anfängen und den Werdegang unserer Karnevalsgesellschaft erläutern:

"So fast as Düörp’m“ Dortmunder Karnevalsgesellschaft von 1911

Heiterkeit im Wandel der Zeit

Der Versuch einer Chronik, zusammengestellt von Bernd Kneer (ergänzt von Nina Beckmann)

 

Seit mehr als 100 Jahren besteht die KG „So fast as Düörp’m“ – da gilt es, über die Geschichte dieses Vereins von seiner Gründung im Herbst 1911 bis hinein in das dritte Jahrtausend zu berichten. Dies ist kein einfaches Unterfangen, weil nahezu alle alten Aufzeichnungen in den Wirren zweier Weltkriege verloren gegangen sind. Von den Männern, die sich damals im Oktober zusammenfanden, um gemeinsam Theater zu spielen, sind noch drei Namen bekannt: Josef Bartholomäus, Ludwig Hennes und Anton LinneSie gründeten in Dorstfeld den Theaterverein „Deutsche Bühne“. Das älteste erhaltene Foto zeigt die Laienspieler im Jahr 1925 bei der Aufführung eines Theaterstückes über Andreas Hofer. Zum Zeitpunkt des genannten Fotos lag der erste Weltkrieg schon einige Jahre zurück und die Zeit stand im Zeichen der Inflation und zunehmender Arbeitslosigkeit. Nur der unerschütterlichen Kameradschaft ist es zu verdanken, dass der krisenbedrohte Verein nicht auf der Strecke blieb und das Handtuch zur Aufgabe werfen musste.

Im Jahr 1933 wurde im gesamten Deutschen Reich eine Interessengemeinschaft gegründet, die sich „Deutsche Bühne“ nannte. Der Dortmunder Verein musste seinen ehrenvollen Namen abtreten und sich auf „Dorstfelder Laienspielschar“ umtaufen. Die Interessengemeinschaft gliederte sich jedoch bereits Anfang 1936 der nationalsozialistischen Kulturgemeinde an, und das Aushängeschild „Deutsche Bühne“ ging mit dem Zusatz „Dortmund-West“ an die stolzen Veteranen zurück.

Auch nach dem zweiten Weltkrieg gingen die Unverwüstlichen an den Wiederaufbau. Der Verein drängte wieder auf die Theaterbretter, und wenn nach dem Kassenschlager „Die spanische Fliege“ der Vorhang fiel, erinnerte der Beifall an die stürmischen Ovationen bei einer Broadway-Premiere. Aufgrund des geänderten Freizeitverhaltens der damaligen Zeit mussten Anfang der 50er Jahre neue Wege gesucht werden. Wurde das 40-jährige Stiftungsfest im Herbst des Jahres 1951 noch unter dem alten Namen gefeiert, so standen im Festprogramm doch neben einem kurzen Theaterstück auch bereits Büttredner und Stimmungssänger. Der Übergang von den Theaterbrettern in die Bütte gelang meisterlich, und der damalige Vorsitzende Franz Büker eröffnete die Sitzungen anstelle des altgedienten „Gut Kunst“ nun mit rheinisch-westfälischem „Helau“.

Als die Karnevalsgesellschaft "So fast as Düörp'm" – wie sich der Verein nun nannte – im Juni 1955 mit weiteren 13 Gesellschaften an der ersten Sitzung des „Festausschusses Großdortmunder Karneval“ teilnahm, war der Grundstein zu einer närrischen Ära in Dortmund gelegt. Von nun an wurden gemeinsame Sitzungen und Rosenmontagszüge veranstaltet, zu denen „So fast as Düörp’m“ einen beachtlichen Anteil beisteuerte. Einen ersten großen karnevalistischen Erfolg verbuchte die Gesellschaft schon im Jahr 1958, als ihr der Wanderpokal für den schönsten Rosenmontagswagen zugesprochen wurde. 1957 hatte Franz Büker das Amt des Vorsitzenden an Josef Hebestreit übergeben, und unter dessen Führung gehörte „So fast as Düörp’m“ 1963 zu den Gründungsmitgliedern des „Bund Ruhr-Karneval“, der heute 115 Vereine mit mehr als 12000 Närrinnen und Narren unter seinem Dach vereint.

In der Karnevalssession 1967 stellte die Gesellschaft das Dortmunder Prinzenpaar Karl-Heinz I. (Bellmann) & Edeltraut I. (Herbst). Beide waren zu dem Zeitpunkt bereits langjährige Mitglieder, und die Regentschaft des Prinzenpaares verhalf der KG zu großer Popularität im Raum Dortmund.

Nachdem Karl-Heinz Bellmann das Zepter wieder aus der Hand gelegt hatte, gründete er erstmals in der Vereinsgeschichte eine Tanzgarde, die aufgrund der im Jahre 1969 in Dortmund stattgefundenen Europa-Gartenschau „Florian-Euro-Garde“ getauft wurde. 1974 hatte die Garde gerade zum zweiten Mal in Folge den Wanderpokal des Bund Ruhr-Karneval als beste gemischte Garde des Reviers erhalten und zum zweiten Mal vor 15000 Zuschauern neben Willi Millowitsch, Trude Herr, Jupp Schmitz und anderen Größen des Kölner Karnevals in der „Lachenden Westfalenhalle“ getanzt, als ihr von der „Europawelle Saar“ eine Auszeichnung für ein besonderes karnevalistisches Highlight überreicht wurde.

Ebenfalls im Jahr 1974 kam es – auf Initiative der Karnevalsgesellschaft "So fast as Düörp'm" – zur Aufnahme karnevalistischer Beziehungen zwischen Dortmund und seiner französischen Partnerstadt Amiens. Im Laufe der Jahre entwickelten sich daraus zahlreiche völkerverbindende Freundschaften, und 30 Jahre lang gehörten die gegenseitigen Besuche zu den Höhepunkten der Vereinsleben hüben wie drüben. Leider haben die "Majorettes d'Amiens" Ihre Aktivitäten eingestellt; und in Amiens wird kein Karneval mehr gefeiert.

Nach 19 Jahren übergab Josef Hebestreit 1976 das Amt des Vorsitzenden an Kurt Schmitt. Wegen seiner Verdienste wurde er zum Ehrenvorsitzenden des Vereins sowie zum Ehrensenator des Festausschusses Dortmunder Karneval ernannt und erhielt den Verdienstorden des Bund Deutscher Karneval in Gold. 1991 verstarb Josef Hebestreit im Alter von 81 Jahren. Kurt Schmitt hatte den Vorsitz zehn Jahre inne und übergab die Geschäfte 1986 an Peter Schulte, bevor im April 1987 Bernd Kneer zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde.

Im November 1987 veranstaltete die Karnevalsgesellschaft "So fast as Düörp'm" erstmals einen Karnevalsauftakt unter freiem Himmel, der unter dem Namen „Dorstfelder Narrenparade“ jahrelang den örtlichen Veranstaltungskalender belebte. Nachdem sich die Geschäfte vom Wilhelmplatz - dem Mittelpunkt des Dortmunder Stadtteils Dorstfeld - zurückzogen und somit das Laufpublikum fernblieb, konnte sich die Narrenparade nicht mehr halten und musste nach 15 Jahren leider eingestellt werden.

Auch die übrigen Veranstaltungen der Gesellschaft bürgen seit Jahren für Qualität und ausverkaufte Säle. Die Programmnummern, die meist aus eigenen Reihen kommen, reißen das Publikum immer wieder zu Beifallsstürmen hin. Neben der „Florian-Euro-Garde“ haben auch andere Mitglieder der Karnevalsgesellschaft "So fast as Düörp'm" zahlreiche Pokale und Medaillen bei den Wettbewerben des BRK gewonnen, so z.B. das Tanzpaar Heike & Jochen, die Gemischte Garde, die Juniorengarde, die Schautanzgruppen und – wie es damals noch hieß – die Grotesktanzgruppe, die Büttredner Helmut Kunz, Helga Migowski, Peter Schulte, Bernd Eberhardt, Monika Wenger und Kai Stratmann, die Büttzwiegespräche Peter Schulte & Karl Glowacz sowie Monika Wenger & Franz Steininger, die „Emscherspatzen“, Fred Emmerich, Katja Tribanek, Egon Moog, Cornelius Fanel, Schorsch Zimoch, Fred Eichhorst, Sabrina Wolff, Anna Engel sowie "Lotti & Schorsch" mit ihren Stimmungsliedern.

Neben Auftrittsstress und Trainingsschweiß kommt für die aktiven Mitglieder aber auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Davon zeugen zahlreiche Vereinsausflüge und gemeinsame Reisen unter anderem nach Mallorca, Ibiza und in die Türkei.

Im Jahr 2001 musste die Gesellschaft neue Wege einschlagen und die jahrelang, im Eugen-Krautscheidt-Haus stattfindende Galasitzung in das Kulturzentrum „Alte Schmiede“ in Huckarde verlegen. Die „Närrische Schmiede“ erblickte somit das Licht der Welt und konnte über Jahre große Erfolge und einen vollen Saal feiern.

Drei Jahre später, im Jahr 2004, wurde erneut eine Jugendgarde gegründet, die eine sichere Zukunft für den Verein bedeutete. Neben vielen Auftritten bei Sommerfesten und Veranstaltungen waren wieder Teilnahmen an Turnieren möglich. Auch wenn die großen Erfolge dabei ausblieben, konnte das den Zusammenhalt des Vereins und der Tanzgruppen keinen Abbruch leisten. Neben den wöchentlich stattfindenden Trainings fanden viele weitere gemeinsame Aktivitäten statt.

Auch Niederschläge musste die Gesellschaft in dieser Zeit hinnehmen: Nach mehr als 40 Jahren musste der Verein, seine Heimat „den Anna-Saal“ an der Rheinischen Straße verlassen. Die Gemeinde hat jedoch zunächst weiterhin versucht einen Ort des Zuhauses zu geben, in Kellerräumen und anschließend auch in einer ehemaligen Wohnung, die liebevoll durch die Vereinsfamilie zu einem neuen Vereinsheim umgestaltet wurde. Jedoch wurde der Gesellschaft auch diese Heimat nach etwas mehr als 3 Jahren, im Jahr 2010, genommen.

Ohne Bleibe, blieb dem Verein keine andere Möglichkeit als einfache Lagerräume zu mieten um das ganze Hab und Gut der Gesellschaft unterzubringen. Es gab keinen Strom und keine Heizung aber den Zusammenhalt des Vereins! Durch die Entstehung einer Seniorenresidenz in Dorstfeld und die daraus entstehende Freundschaft mit der Leitung der Residenz, hatte der Verein jedoch eine Art Unterschlupf gefunden und konnte weiterhin die Trainings mit den Tanzgruppen sicherstellen. „Nach jedem Tief folgt auch ein Hoch“ besagt ein Sprichwort und auch für die Gesellschaft war es so. Durch Kontakte und Aufgeschlossenheit gelang es dem Verein im Jahr 2013 ein neues Vereinsheim in Dorstfeld zu finden und konnte sich somit an der Hügelstraße eine neue Heimat schaffen. Im Juni 2013 konnte die Gesellschaft sogar ihr Vereinsheim „das Narrenstübchen“ mit einem Tag der offenen Tür eröffnen und allen Dorstfelder*innen zeigen, dass sie wieder da ist. Es war ein voller Erfolg.

In dieser Zeit war der langjährige Präsident und 1.Vorsitzende Bernd Kneer jedoch schon sehr durch eine schwere Krankheit geprägt. Er hat trotz dessen mit jeder Faser seines Herzens den Verein weiterleiten wollen. Es war eine Zeit in der leider auch eine hohe Anzahl von Mitgliedern den Verein verlassen haben und die Vereinsfamilie nur noch aus ein paar Menschen bestand, die jedoch Karnevalisten durch und durch waren. Nach mehr als 27 Jahren des Vorsitzes verstarb Bernd Kneer im Juni 2014 nach langer und schwerer Krankheit nachdem er sich zwei Wochen zuvor erst als 1.Vorsitzenden hat wiederwählen lassen.

Nun lag der Verein vor den Scherben seiner Selbst! Bernd hatte alle Zügel in der Hand und hat sich außerordentlich engagiert um alle Belange und Organisation des Vereins gekümmert. Nun war er aber nicht mehr da. Neben ihm waren auch urplötzlich alle von Bernd Kneer zusammengetragenen - und in 27 Jahren sind da sehr viele Informationen und Schriftstücke zusammengekommen - Unterlagen verschwunden.

Der Verein stand vor dem Nichts und dem Aus! Für die zurückgelassenen Mitglieder des Vereins war jedoch klar „es geht weiter auch wenn es hart wird!“ und so übernahm bereits im Juli 2014 Bernd´s Enkeltochter Nina Beckmann im Alter von 26 Jahren den Vorsitz und die Präsidentschaft der Gesellschaft. Sie wurde einstimmig zur Nachfolgerin ihres Großvaters gewählt und war somit die jüngste Präsidentin einer Karnevalsgesellschaft im Ruhrgebiet.

Der frische Wind in der Führung des Vereins bewirkte auch, dass immer mehr Menschen den Weg in die Vereinsfamilie gefunden haben. Für Nina Beckmann ist ein demokratischer Zusammenhalt in der Gesellschaft immer wichtig gewesen, so dass die erste „Närrische Schmiede“ unter der neuen Leitung ein voller Erfolg wurde. Die Gesellschaft erlangte auch im Dortmunder Karneval ein neues Ansehen und war wieder ein Teil des Ganzen.

Aber auch in der neuen Ära ab es den einen oder anderen Rückschlag. Lief 2015 die „Närrische Schmiede“ super, so musste sie 2016 leider aufgrund fehlender Publikumsströme ausfallen. Aber auch da hat die Gesellschaft das Beste draus gemacht und ist weiter zusammengewachsen.

Seit 2014 hat sich die Mitgliederzahl der Akteure verdoppelt, jeder fühlt sich willkommen und als ein Teil des Ganzen! Der Verein kann seit 2019 auf mehr als vier Tanzgruppen stolz sein. Neben den „Golden Girls“- die Damentanzgruppe und die Juniorengarde ist der Verein um eine „Mini-Garde“ und den „Silver-Boys“ – das neu gegründete Herrenballett - gewachsen. In der Session 2019/2020 feierten alle Tanzgruppen volle Erfolge und waren gern gesehene Gäste auf diversen Veranstaltungen. Ende der Session wurde mit der 18. Närrischen Schmiede die Volljährigkeit der Veranstaltung gefeiert, und dies mit einem riesen Erfolg. Einen Tag später musste aufgrund eines Sturms die Kinderkarnevalveranstaltung abgesagt werden aber auch da hat der Verein das Beste draus gemacht und bis zum Aschermittwoch 2020 eine tolle Session mit Unmengen von Auftritten, dem Kinderkarnevals- und Rosenmontagsumzug gefeiert.

 

Zum Ende der Session 2020 kam dann Corona und machte den Karneval für die Session 2020/2021 unmöglich. Umso glücklicher schaut die Gesellschaft auf die Zukunft und auf das 111-jährige Jubiläum, welches im ersten Jahr nach dem Pandemieausbruch für die Vereinsfamilie der KG „So fast as Düörp´m“ ansteht. 

 

 

Interessierte Mitbürger – vom Kind bis zum Senior – sind in den Reihen unserer Karnevalsgesellschaft stets willkommen, ob als Tänzerin oder Tänzer, als Sängerin oder Sänger, in der Bütt, als Helfer bei Veranstaltungen oder beim Rosenmontagswagenbau – oder einfach nur aus Spaß an der Freude.